Julia – Make up Artist & Stewardess

Makeup_Artist_ Flugbegleiterin

Von Julia habe ich das erste Mal in einer Facebook Gruppe gelesen. Ziemlich schnell habe ich auf Ihre Facebookseite geklickt, war direkt begeistert und stellte wieder mal fest: was wir nicht alles so nebenbei machen!! Natürlich darf Julia als Make up Artist, Hairstylistin und Stewardess nicht in meiner Interviewreihe fehlen!

Julia, seit wann fliegst du als Stewardess und wie kam es dazu?

Ich fliege mittlerweile seit knapp 4 Jahren als Stewardess durch die Weltgeschichte. Die Fasznation fürs Fliegen hatte ich zwar schon immer, aber beworben haben ich mich, da mir mein damaliger Studiengang nicht mehr gefallen hat und daraus entstand der spontane Gedanke „warum nicht einfach Flugbegleiterin werden?“. Und so kam es dann auch.

Neben dem Fliegen arbeitest du ja als Make-Up Artist und Hairstylist. Hast du den Beruf klassisch gelernt?

Den Beruf Make-up Artist kann man in dem Sinne gar nicht so recht klassisch mit IHK-Abschluss erlernen, allerdings gibt es in Deutschland, aber natürlich auch weltweit, zig Schulen, die eine Ausbildung zum Make-up Artist anbieten.
Die Schule, die ich mir im Endeffekt ausgesucht habe, inkludierte noch zusätzlich den Hairstylist, was mir auf dem Markt natürlich auch Vorteile verschafft. Gelernt habe ich den Beruf nebenberuflich, jedes Wochenede für etwa 9 Monate. Sprich unter der Woche war ich im Flieger, am Wochenende habe ich die Schulbank gedrückt, aber ich bereue keine Sekunde.

Seit wann hattest du die Idee Make-Up Artist zu werden und wie lange hat es gedauert, deine Idee um zu setzten?

Wie des Öfteren kam mir auch die Idee relativ spontan. Ich wollte einfach noch etwas nebenbei machen und habe gegrübelt, was ich wohl am Besten auch mit der Arbeit als Flugbegleiterin und den damit verbundenen Dienstplänen verbinden kann. Da ich mich schon immer viel mit Make-up und Styling im Allgemeinen beschäftigt habe, kam ich im Laufe meiner Recherche über ein paar Umwege auf den Beruf “Make-up Artist”. Einmal in den Kopf gesetzt, ging alles ganz schnell. Im Dezember 2013 habe ich mir die Schule in Düsseldorf angeschaut und im Mai 2014 ging dann auch schon die Ausbildung los.

Bist du Teilzeit geflogen, um den Weg gehen zu können? Und fliegst du jetzt Teilzeit um als Make-Up Artist arbeiten zu können?

Für meine Ausbildung habe ich dann eine 72%-Arbeitsstelle beantragt und genehmigt bekommen, anders hätte ich beides leider nicht unter einen Hut bekommen können. Ich hab mich auch entschieden auch nach der Ausbildung das Teilzeit-Programm beizubehalten, um meinem zweiten Standbein auch genug Aufmerksamkeit schenken zu können, mir außerderm einen Namen zu machen und mich an meine langfristigen Ziele heranarbeiten zu können.

Was genau musstest du tun (Behördengänge, Gewerbeschein etc) um als Freelancer arbeiten zu dürfen?

Das war erstaunlich einfach, wobei ich zugegeben vor genau diesem Schritt der nebenberuflichen Selbstständigkeit natürlich den größten Respekt hatte. Um meinen Gewerbeschein zu beantragen musste ich beim Gewerbeamt vorstellig werden, was aber total unkompliziert war. Da der Begriff ‘Make-up Artist’ keine geschützte Berufsbezeichnung ist, musste ich nicht einmal mein Abschlusszertifikat vorzeigen. Auf der einen Seite ist es natürlich schön, wenn etwas unbürokratisch läuft, allerdings ist es so natürlich auch jedem anderen, nicht gelernten, möglich, einen Gewerbeschein als Make-up Artist zu beantragen. Hairstylist hingegen ist schon etwas komplizierter, da wir nicht mit einem klassischen Frisör zu verwechseln sind. Wir haben lediglich das Handwerk des Stylens gelernt, aber nicht Schneiden, Färben, Dauerwelle legen etc. Daher muss explizit erwähnt werden, dass es keine Frisörtätigkeit ist.

Mit dem Gewerbeschein bin ich dann zum örtlichen Finanzamt gegangen und habe mein Kleingewerbe beantragt. Das heisst ich bin nebenberuflich selbstständig, schreibe meine Rechnungen samt Steuernummer etc. selbst, muss aber im Gegensatz zu deinem Großgewerbetreibenden nur einmal im Jahr eine Steuererklärung abgeben. Da ich für die ersten Jahre von keinem Gewinn über 17.500€ ausgehe, behalte ich diese Form von Selbstständigkeit auch ersteinmal bei.

Und wie sieht so ein Arbeitsalltag als Freelancer Make-Up Artist und Hairstylist aus?

Ganz unterschiedlich – das macht es ja so spannend. Während ich an einem Tag eine Braut für den schönsten Tag ihres Lebens aufhübsche, ist es am nächsten Tag vielleicht schon wieder eine Veranstalltung oder Fashion Show, für die mich ein Kunde gebucht hat. Es ist ein wirklich facettenreicher Beruf, der viel Kreativität und auch Flexibilität fordert, aber genau das macht es für mich so interessant.

Wer sind deine Kunden und wie kommst du an deine Kunden?

Das ist auch ganz unterschiedlich. Zum einen sind das Privatkunden, die mich für ihre Hochzeit oder andere Events buchen, aber auch Geschäftskunden, die mich für Shootings, Shows oder Aftershow-Events buchen. Das variiert fast genauso wie der Arbeitsalltag an sich.

Lässt sich der Job gut mit dem Fliegen vereinbaren?

Ich kann beide Berufe ganz gut unter einen Hut bringen, da ich oft weit im Vorraus gebucht werde und so meinen Flugdienst um meine Termine herumplanen kann. Durch die Teilzeit habe ich aber auch für spontane Termine oft Zeit. Sobald mein Dienstplan veröffentlicht ist, verplane ich offene Termine oft mit Fotoshootings oder anderen offenen Anfragen, so ist die Zeit optimal genutzt.

Wie geht es bei die weiter?

Zur Zeit arbeite ich an einem Konzept für Make-up- und Styling-Kurse explizit für Flugbegleiterinnen. Ich werde oft an Bord gefragt, wie ich das eigentlich hinbekomme, dass mein Make-up den ganzen Tag hält oder wie man dies und jenes wohl macht oder welcher Lippenstift eigentlich der Beste für lange Tage in der Luft ist. So entstand die – wieder spontane – Idee, mir ein Konzept für einen Crash-Kurs zu überlegen, der die verschiedenen Interessenbereiche abdeckt. Aber das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen und bedarf noch viel Überlegung. Mit dem Fliegen aufzuhören ist für mich derzeit übrigens keine Option. Ich habe jetzt meine zwei Leidenschaften zum Beruf gemacht – die zwei Mädchenträume schlechthin. Und wie sagt man so schön? Wer seinen Job/seine Jobs liebt, der muss nie wieder arbeiten gehen – und genau so fühlt es sich auch meistens für mich an.