ND 10 – Langstrecke? Nicht mein Ding!

Flugbegleiterin Langstrecke

Heute geht es das erste Mal ums Fliegen und nicht um Startups. Denn wir Ihr wisst, bin ich nicht nur Gründerin von JOVENTOUR, sondern auch Flugbegleiterin. Und das liebend gern. Die letzten sechs Monate bin ich Langstrecke geflogen und wie es mir damit ergangen ist, hört Ihr in der heutigen Episode. Wer eine Gründerepisode erwartet, den muss ich auf nächste Woche vertrösten.

Warum ich keine Langstrecke mag

„Machst du jetzt internationale Flüge?“

Diese Frage mag ich gar nicht. Leider wurde sie mir in den letzten Monaten verdammt oft gestellt, als ich nämlich mit meiner Umschulung auf die Langstrecke begonnen habe (wie es dazu kam, kannst du hier nachlesen: das erste Mal Langstrecke oder unten im Podcast nach hören).

Ich fliege seit 14 Jahren bei einer regionalen Airline, aber wieso regional mit national assoziiert wird, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Oder ist irgendjemand schon mal die Strecke Düsseldorf – Amsterdam mit einem Jumbo geflogen? Zusammengefasst: international bin ich schon immer geflogen, aber nicht interkontinental.

Diese Tatsache sollte sich letztes Jahr ändern, als ich mit 40 Kollegen für sechs Monate auf Langstrecke wechselte. Und was soll ich sagen: so schnell vergeht ein halbes Jahr. Und in zwei Tagen beginnt meine Umschulung – zurück auf die Kurzstrecke.

„Bleibst du nicht auf der Langstrecke, wenn du kannst?“

Noch einer meiner Lieblingsfragen. Und meine Antwort ist: nein! Für viele meiner Gesprächspartner schwer nachzuvollziehen, denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Langstrecke als höherwertig angesehen wird.

Nicht für mich. Natürlich war es toll, ein halbes Jahr die Welt zu entdecken, aber ich will wieder zurück in meine Komfortzone. Wieso?

Schlussendlich ist es eine Kombination aus Gründen, weshalb ich meinen Vertrag nicht verlängert habe:

  • Meine Teilzeit. Auf der Kurzstrecke fliege ich immer nur die ersten fünf Tage (31% Teilzeit) im Monat. Dieses Modell macht es möglich, dass ich Fliegen und JOVENTOUR miteinander vereinbaren kann.
  • Meine Station. Für die Langstrecke musste ich „shuttlen“, d.h. von und zu einem Flughafen anreisen, der einige hundert Kilometer von meinem Wohnort entfernt ist. Für die An- und Abreise war ich selbst zuständig. Gerade zu Ferienzeiten kompliziert sich die Reiseplanung und das war für mich ein Stressfaktor, den ich nicht haben möchte, bevor ein 10-12 Stunden Arbeitstag vor mir liegt.
  • Meine Crew. Ganz ehrlich: ich habe mich auf der Langstrecke oftmals alleine gefühlt, denn die Crew war mir einfach zu groß. Oftmals kannte ich noch nicht mal alle Namen. Ich mag es familiär und das ist es bei regionalen Airlines. Jeder kennt jeden mit allen Ecken und Kanten. Aber das macht es liebenswert.
  • Mein Schlaf. Dieser ist mir heilig und mein Schlafrhythmus wurde für sechs Monaten auf eine harte Probe gestellt. Ich bin kein Nachtmensch und wenn die Sonne untergeht, gehe ich schlafen. Also keine ideale Voraussetzung für einen Dienstplan mit 4-7 Nachtflügen im Monat. Spätestens als meine Schwester mir zu Weihnachten eine 40€ teurer Augencreme schenkte, war für mich klar: nicht mein Ding.

Die sechs Monate waren für wie eine wunderschöne Affäre, aber jetzt möchte ich zurück in meine Ehe. Auf die Kurzstrecke. Und ich freue mich schon wieder auf meine dritte Lieblingsfrage:

„Fliegst du Propellerflugzeuge?“

Auch hier ist meine Antwort nein, denn auch Regionalflugzeuge können richtige Turbinen haben. By the way, auch Propeller sind Triebwerke, nur dass diese nicht von einer Verkleidung umgeben sind.

Danke, an alle Kollegen, die mich in den letzten Monaten begleitet haben. Ab sofort trefft ihr mich wieder hier: Why I love being a regional flight attendant!

Meine Kollegin und Bloggerin Katrin hat hier alle Vor- und Nachteile von und Kurz- und Langstrecken aufgelistet: Langstrecke vs. Kurzstrecke

*Korrektur in Minute 10: Was ich sagen wollte -> 10-12 Stundentage gibt es auf der Kurzstrecke oftmals an zwei aufeinander folgenden Tagen, ohne die langen Ruhenzeiten, wie auf der Langstrecke.