Was ist eine Bootstrap Gründung?

Ganz ehrlich, von dem Begriff Bootstrap Gründung, habe ich zum ersten Mal gehört, also ich meine Firma schon aufgebaut hatte. Ich war gerade dabei eine Präsentation für den Rheinland Pitch vorzubereiten und suchte nach einem Begriff, der beschreibt, dass man eine Firma von der “Pike auf” alleine aufgebaut hat.

Unter Bootstrap Gründung versteht man also, dass man seine Firma ohne Fremdkapital gegründet hat. Bei meiner Gründung kam es zufällig zur Bootstrap Gründung, weil ich mit so einem geringen Stammkapital gründen wollte, dass mein Bankberater zu mir sagte: “Dafür lohnt es sich für mich noch nicht mal den KFW Antrag auszufüllen, ich kann Ihnen nur einen ganz normalen Kredit geben mit 8% (!!!) Verzinsung”. Ich muss dazu sagen, dass es Anfang 2012 war und die Zinsen noch höhere waren, als heuzutage. Trotzdem hat mich die Aussage so geärgert und auch enttäuscht, dass ich das Stammkapital von meinem Sparbuch genommen habe und so ungewohlt zur Bootstrap Gründerin wurde.

Ein riesen Vorteil der Bootstrap Gründung ist der Nachweis, dass du es mit deinem eigenen Kapital schaffen kannst. Wenn ich jetzt bei einem Pitch stehe und meine Bilanz vorstelle, kann ich sagen: mein heutiger Umsatz beträgt das 25fache von meinem Bootstrap Stammkapital. Das macht mich nicht nur sehr stolz, sondern es zeigt auch, dass meine Firma/Geschäftsidee funktioniert.

Eine Bootstrap Gründung macht aber nur Sinn, wenn…

  • … du schnell operativ arbeiten kannst / wenn du schnell los starten kannst
  • … du schnell mit Einnahmen rechnen kannst
  • … du generell geringe Gründungskosten hast

4 Gedanken zu „Was ist eine Bootstrap Gründung?

  1. Tanja sagt:

    Was ist eine Bootstrapgründung?
    Letzter Absatz, kleiner aber feiner Fehler. Ich glaube da fehlt ein “nur” ;-)

    Alles Liebe und weiterhin viel Erfolg,
    Tanja

  2. Joachim Tuchel sagt:

    Hallo Tanja,

    Wir sind ebenfalls eine Bootstrap-Gründung, das aus eigener Kraft und auf Basis neu gewonnener Kunden und den Umsätzen daraus wächst. Glücklicher Weise klappt das bei uns sehr gut und wir sind sehr froh, weder auf Investoren noch auf Kapitalgeber wie Banken angewiesen zu sein. Unser Break-Even ist noch nicht erreicht, aber in Sicht, und unser Kurs dahin beschleunigt sich. Das ist ein tolles Gefühl und gibt einem eine enorme Bestätigung und Motivation.

    Ich glaube, die Liste von Bedingungen, unter denen sich das Bootstrappen lohnt, ist nicht vollständig.
    Eine ganz wichtige Voraussetzung, die vor allem auch für Sidepreneure zutrifft, ist, wenn es zusätzliche Einnahmequellen gibt, sei es der bisherige Hauptjob oder ein zusätzliches Standbein, das den finanziellen Atem verlängert oder die Risiken der Neugründung abfedert. Und wenn es nur das Kellnern am Wochenende ist…
    Es gibt nichts schlimmeres, als wegen finanzieller Probleme aufgeben zu müssen, obwohl sich die Sache gut entwickelt.

    Andererseits verbrennt man kein fremdes Geld, begibt sich nicht in eine langfristige Verbindlichkeit (etwa noch 5 Jahre einen Kredit abstottern, der schon längst in einer gescheiterten Geschäftsidee verpufft ist). Das gibt sehr viel Freiheit, auch und vor allem im Kopf. Eine enorm komfortable Situation!

    Leider ist längst nicht jede Geschäftsidee so auf die Schnelle mit Erfolg gekrönt. Es braucht vielleicht lange Anlaufzeiten, um ein Produkt zu entwickeln (bei uns der Fall) oder der Zielmarkt “ist noch nicht so weit”. Für Investoren ist das enorm unattraktiv, sie wollen ja ihr Geld sicher angelegt wissen. Da ist ein Horizont von 3 oder noch mehr Jahren fast einem Totalausfall gleichzusetzen. Nervöse Investoren sind meist keine guten Ratgeber…

    Wer sich aber die finanzielle Freiheit schaffen kann, auch so lange durchzuhalten, ohne seinen Lebensstandard zu gefährden, ist da wirklich im Vorteil. Nebeneinkünfte sind hier sicher die offensichtlichste Lösung, aber auch ein kritisches Hinterfragen bisheriger Ansprüche kann schnell Luft verschaffen: 500 oder mehr Euros pro Monat für bisher als notwendig betrachteten Komfort einzusparen, ist für manch einen durchaus möglich. Es muss ja nicht immer ein neuer Wagen geleast werden und die Couch tut es vielleicht auch nochmal 2 Jahre länger, wenn es hart auf hart kommt…

    Ganz wichtig ist aber auf jeden Fall der stete Blick auf die Finanzen. Kann ich mir mein Unternehmen noch leisten, und wenn ja, wie lange noch, falls es nicht besser wird?

    Für Dein Blog alles Gute und weiter so!

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