Louisa – Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau

Während meiner letzten Tour habe ich Louisa, eine junge Kollegin aus Frankfurt, kennengelernt. Schnell haben wir festgestellt, dass es zwischen uns Gemeinsamkeiten gibt, denn Louisa erzählte mir, dass sie neben dem Fliegem noch eine Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau (LVK) macht. Da viele Kollegen Interesse an einer solchen nebenberuflichen Ausbildung haben, habe ich Louisa spontan während unserer Tour durch den Osten Europas interviewt.

Meike: Louisa, wie lange arbeitest du schon als Flugbegleiterin?

Louisa: Ich habe vor knapp 4 Jahren angefangen. Damals wurde ich während des Grundkurses 20 Jahre alt. Nach dem Abitur ging ich für ein Jahr nach Neuseeland, anschliessend habe ich mich direkt als Flugbegleiterin beworben.

Meike: Momentan absolvierst du ja nebenbei eine Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau. Wie kam es dazu?

Louisa: Ich begann meine Flugbegleiter Ausbildung kurz nach dem Abitur, dem entsprechend habe ich keine Berufsausbildung absolviert. Da man nie weiss, was in der Zukunft passiert, sehe ich eine abgeschlossene Berufsausbildung als sehr wichtig an. Mich haben Flughäfen und Flugggesellschaften schon immer interessiert, so lag eine nebenberufliche Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau sehr nahe.

Meike: Du hättest dich also auch für die Airlinebranche entschieden, wenn du nicht als Flugbegleiterin genommen worden wärst?

Louisa: Ja, mein Plan B war ein duales Bachelor Studium im Bereich Aviation Management.

Meike: Nun hast du dich für einen klassischen Ausbildungsberuf entschieden, der mit einer Prüfung vor der Industrie und Handelskammer (IHK) abgeschlossen wird. Wie stellt man sich eine solche Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau in Teilzeit vor?

Lousia: Meine Ausbildung dauert an 18 Monate. Ich habe im November 2014 angefangen und werde diese im Mai 2016 abschliessen. Jeden Monat habe ich drei Tage am Block Unterricht. Diese drei Tage decke ich mit meiner Teilzeit ab. Alle Unterrichtstage werden vor Kursbeginn mitgeteilt, so kann man langfristig planen. Ich fliege 75%. Auch kann man in Hessen den Kurs als Bildungsurlaub anerkennen lassen und bekommt so zusätzlich 5 freie Tage im Jahr. Bei einem 75% Teilzeitvertrag sind es dann dementsprechend 4 Tage.

Meike: Nur 3 Tage im Monat sind ja überschaubar….

Louisa: Es bleibt nicht bei den 3 Tagen im Monat. Dazu kommen noch Praktikas. Dauer und Anzahl hängen allerdings von Berufserfahrung ab. Die IHK prüft bei Anmeldung des Kurses jeden Lebenslauf und die jeweilige Berufserfahrung der einzelnen Teilnehmer. Danach legt die IHK die Pflichpraktikas fest. Diese fallen bei jedem Kursteilnehmer dementsprechend anders aus. Ich muss drei Praktikas a 4 Wochen absolvieren: bei OPS (Operations), im Ticketing und bei Cargo.

Meike: Und wie hast du die Praktikumsstellen bekommen?

Lousia: Zunächst habe ich versucht über meine Fluggesellschaft ein Praktikum zu bekommen. Leider hat das gar nicht geklappt und die Kontakte waren weniger hilfreich. Ich habe mich dann für den kurzen Dienstweg entschieden. Da meine Fluggesellschaft gelegentlich nach Münster fliegt, der Flughafen dort sehr klein ist und jeder jeden kennt, habe ich einfach dort bei OPS nachgefragt. Das hat direkt geklappt und so habe ich im April dieses Jahres mein Praktikum in Münster absolviert. Ticketing werde ich im Reisebüro meiner Mutter lernen. Momentan suche ich noch eine Praktikumsstelle für Cargo.

Meike: Gibt es, ausser den Praktikas, noch Vorgaben seitens der IHK?

Lousia: Ja, die IHK schreibt auch vor, wie viel Berufserfahrung man bei der Prüfung haben muss. In meinem Fall, als Flugbegleiterin, sind es 4,5 Jahre. Ich hätte also gar nicht früher mit der nebenberuflichen Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau anfangen können.

Meike: Für welchen Bildungsträger hast du dich entschieden und was kostet dich die Ausbildung?

Lousie: Ich besuche die Schule für Touristik in Frankfurt. Der Kurs kostet ca. 140€ im Monat. Dazu kommen noch die Prüfungsgebühren von knapp 400€. Für Angestellte bei Airlines gibt es auch Rabatt.

Meike: Wer sind deine Mitschüler?

Lousia: 85% sind auch Flugbegleiter und 15% sind Kollegen vom Boden.

Meike: Gibt es, wie früher in der Schule, Lieblingsfächer?

Louisa: Ja, ich mag OPS sehr. Rechnungswesen hingegen, ist nicht mein Favorit.

Meike: Gab es noch Alternativen zur nebenberuflichen Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau?

Lousia: Ja, ich hätte noch Servicekauffrau im Luftverkehr nebenberuflich lernen können. Mir erscheint die LVK Ausbildung aber fundierter und man bekommt einen Einblick in die gesamte Branche.

Meike: Wie geht bei dir nach dem Abschluss weiter?

Louisa: Ich möchte definitiv weiterfliegen. Ich habe keine Ambitionen mit dem Fliegen aufzuhören. Dafür gehe ich zu gerne zur Arbeit. Ich würde gerne noch den Tourismusfachwirt an der Schule für Touristik dran hängen. Dieser wird ebenfalls nebenberuflich angeboten.