Pilotenstreik

Pilotenstreik – Wenn man Kundin und Kollegin in einem ist!

Ich bin ganz ehrlich: bis gestern hat mich kein Streik in Deutschland tangiert, weder der Kita- noch der Lokführer- oder Pilotenstreik. Ich war nie betroffen und so wurde ich nie aus meiner Komfortzone heraus geholt, um mich mit Streikthemen auseinander zu setzten.

Gerade endete der 13. Streik der Kollegen aus dem Cockpit. Ungewollt und mit einem Richterspruch. Obwohl ich meinen Arbeitsvertrag bei einer anderen Firma unterschrieben habe, als bei der, wo die Piloten momentan den Arbeitskampf angesagt haben, schreibe ich „Kollegen“, denn ich schätze die Kollegialität in der Branche sehr. Egal welche Uniform man trägt und egal wie viele Streifen man am Ärmel hat, kommt man doch immer schnell ins Gespräch und spürt eine Verbundenheit. Überall auf der Welt!

Gestern war es dann soweit, der Streik hat mich unmittelbar betroffen. Da meine Schwester diese Woche heiratet, haben sich viele Verwandte aus Uruguay angekündigt und natürlich soll mehr als nur Deutschland erkundet werden. Geplant ist eine komplette Europa Rundreise und gebucht wurden Flüge mit der Lufthansa. Und wie es kommen musste, sind die Flüge gestrichen worden.

Bis dato war ich ja nie von den Streikauswirkungen betroffen und aus Medien wusste ich: Umbuchungen werden automatisch gemacht. Man muss sich quasi um nichts kümmern, bekommt seine Umbuchung schön per Push Nachricht aufs Handy und fliegt dann halt maximal etwas zeitversetzt und im schlimmsten Fall mit einer zusätzlichen Zwischenlandung an sein Ziel. Dachte ich! Bis meine Tante hilflos anrief: es kommt keine Umbuchung auf das Handy, nur die Nachricht, dass wir einen „Service Center“ kontaktieren sollen.

„Bitte kontaktieren Sie unser Service Center“

Gerne! Da wir nicht unmittelbar am Flughafen wohnen, probierten wir es fünf Stunden per Telefon und kamen nicht einmal durch. Nachdem sich diese Kontaktaufnahme als unmöglich herausstellte, baten wir meine Schwester zur Hilfe, die bei einem Reiseveranstalter arbeitet und gute Verbindungen zu Lufthansa hatte, aber auch hier erreichten wir niemanden. Da es schon Abend wurde und der Flug am nächsten Morgen gebucht war, entschlossen wir uns zum Flughafen aufzubrechen, obwohl in den Medien davon sogar abgeraten wurde. Wir investierten unseren, eigentlich zum Sightseeing angedachten Tag und fuhren zum Airport, wo die Kollegen vom Boden den Flug ohne Problem umbuchten.

Und genau hier fing ich an mich zu schämen. Nicht für meine Piloten Kollegen, nicht für die bestreikte Firma, nicht für den Streik sondern für die gesamte Situation.

Als Flugbegleiterin bin ich Arbeitnehmerin, als Gründerin Arbeitgeberin. Ich kann beide Seiten verstehen. Als Gründerin schätze ich die liberale Wirtschaftspolitik und als Teilzeit Arbeitnehmern, die roten Gewerkschaften, durch die mein Arbeitsvertrag erst möglich ist. Ich sitze bei dem Thema wirklich zwischen den Stühlen.

Da ich weder Pilotin, noch Managerin bei einer Airline bin, besitze ich nicht die Kompetenz sachlich diesen Konflikt zu verstehen. Was aber bleibt ist das blöde Bauchgefühl.

Ich kann verstehen, dass das Management einsparen muss und ich kann verstehen, dass Piloten am hohen Qualitätsstandard festhalten möchten. Ich merke nach 12 Jahren selbst, dass die Branche sich verändert. Alles soll günstiger, schneller und effizienter werden. Fliegen wird immer bezahlbarer. Wo man früher nur einmal im Jahr hin geflogen ist, fliegt man jetzt übers Wochenende hin. Wir alle profitieren davon und schätzen die neue Freiheit.

Die Henne oder das Ei?

Marktveränderungen verlangen Marktanpassungen. Offen bleibt allerdings die Frage: Was war zu erst da? Das Low Cost Angebot oder die Low Cost Nachfrage. Genauso wie die Henne und das Ei. Und manchmal denke ich: sind wir (die gesamte Airline Branche) nicht selbst schuld an unserer Situation?

Dass nun ein Landesgericht den Streikt gestoppt hat, ist für mich wie ein Schlag in den Magen. Nicht, weil dieser beendet wurde, sondern weil der Konflikt bis zu einem Landesgericht gehen musste. In meiner kleiner Firma sind meine zwei Mitarbeiterinnen mein ganzes Kapital. Ich verlasse mich auf sie und sie verlassen sich auf mich. Dass solche „Beziehungen“ von einem Gericht geklärt werden müssen, ist sehr schwer für mich nachzuvollziehen.

Wie es wohl weitergeht? Es bleibt spannend…. Macht liegt in der Luft (von beiden Seiten). Wie wäre es also, wenn einfach mal nur die Frauen verhandeln wurden. Managerinnen und Pilotinnen? Wäre das ein möglicher Lösungsansatz?

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