Heilpraktikerin für Psychotherapie

Stephanie – Heilpraktikerin für Psychotherapie

Obwohl auch Stephanie und ich bei der gleichen Airline arbeiten, kennen wir uns nicht persönlich, denn momentan ist sie in Elternzeit und zieht ihre drei Sprößlinge gross. Und wäre das nicht genug, hat sie noch in dieser Zeit eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie gemacht und eröffnete ihre Praxis Lichtung, in der sie sich vor allem auf Verlusterlebnisse spezialisiert hat.

Wie man eine Eltrenzeit perfekt für eine berufliche Weiterbildung nutzen kann, erzählt Stephanie mir im Interview.

Stephanie, seit wann fliegst Du als Flugbegleiterin und wie kam es dazu?

Ich fliege seit Februar 2002 als Flugbegleiterin bei einer großen deutschen Regionalfluggesellschaft. Seit 2004 bin ich zudem CRM (Crew Resource Management) & Security Trainerin bei dieser Fluggesellschaft.

Zuvor arbeitete ich in einer onkologischen Klinik als Medizinische Fachangestellte, Paar-und Familientherapeutische Beraterin und Sterbebegleiterin. Ich habe diese Zeit in der Klinik sehr bewusst erlebt, sterbende Menschen haben mich sehr geprägt in dem was wirklich wichtig ist im Leben, und ich konnte erleben welch kostbares Geschenk und Privileg es  ist an der Endphase eines Menschenlebens teilhaben zu dürfen.

Irgendwann  hatte ich plötzlich das Bedürfnis noch einmal etwas ganz anderes zu machen, mein Arbeitstag sollte nicht mehr 5 Tage von 7:00 – 19:00 Uhr Tag für Tag sein – Vielfalt in einer anderen Art wollte ich erleben, wenn auch noch nicht klar war was.

Eines Tages saß ich mit meinen Eltern in einer Pizzeria und traf dort die Schwester einer Arbeitskollegin meiner Mutter. Petra war es, die ebenfalls bei der Airline arbeitet, und mir vom Beruf der Flugbegleiterin vorschwärmte. Ich sendete eine Bewerbung ab, und wurde trotz meiner Bedenken dass man 50kg wiegen muss und mindestens 4 Fremdsprachen können muss, zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Dann nahm alles seinen Lauf, und ich erlebte eine der schönsten Lebensphasen in diesem Beruf.

Bis ich in Elternzeit ging und das Fliegen bis heute erst einmal pausiert.

Du fliegst aber nicht nur, sondern bist auch Heilpraktikerin für Psychotherapie – Traumatherapeutin und Trauerbegleiterin. Wie kam es dazu?

Durch meine CRM Trainer Tätigkeit hatte ich früher viele Tagesdienste in Köln und konnte somit wie bei einem Bürojob abends oft nach Hause fahren ins bergische Land. Durch den Umzug meiner Airline war dies natürlich hinfällig. Für mich zeigte sich, das ich als Mutter von 3 Kindern es kaum organisiert bekommen werde, fernab der Heimat eine 50% oder 75% zu fliegen.

Mein Interesse an Trauerarbeit war immer in Form von Literatur gewachsen, dies konnte ich während der Nightstops gut nutzen und mich weiterbilden. Irgendwann habe ich mich für eine professionelle Ausbildung als Trauerbegleiterin beim Bundesverband für Trauerbegleitung entschieden unter der Leitung von Chris Paul (Trauerinstitut Deutschland). Die Ausbildung dauert 2 Jahre und ist in Wochenblöcken eingeteilt. Dies lässt sich sehr gut auch mit einem  90% Teilzeit Modell planen, da die Wochen lange zuvor bekannt sind.

In den letzten Jahren habe ich im Rahmen der Elternzeit eine weitere Ausbildung als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Traumatherapeutin gemacht, dies war rechtlich wichtig um mit Psychotherapie auf selbstständiger Basis arbeitet zu dürfen. Dies ist mit sehr viel lernen verbunden, was man gut in den Layovern machen kann, sofern man Disziplin hat – denn es gibt verschiedene Prüfungen u.a. beim staatlichen Gesundheitsamt in Form einer schriftlichen und mündlichen Prüfung.

Was für Therapieformen bietest Du genau an?

Ich biete Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers an, wo die Grundhaltung darin liegt, das jeder Patient/Klient die Lösung seines Problems in sich trägt und diese durch erschwerte Lebensumstände jedoch oftmals nicht zugänglich sind – dies wird in einem gemeinsamen Gespräch wieder „aktiviert“.

Dann biete ich EMDR = Eye Movement Desensitization and Reprocessing in meiner Praxis an. Dies ist eine Behandlungsart von der Amerikanerin Francine Shapiro. Auf Deutsch bedeutet dies Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen die durch die Therapeutin initiiert werden.  Es wird als Behandlung von Traumafolgestörungen angewendet. Insbesondere bei der so genannten PTBS Posttraumatischen Belastungsstörung hat man eine wissenschaftlich nachgewiesene Erfolgsraten von bis zu 80%. Diese Methode aus der Traumatherapie lässt sich bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern anwenden.

Des Weiteren arbeite ich in meiner Praxis mit Hypnose und Hypnotherapie nach Milton Erickson. Hypnose ist eine Tiefenentspannung, die angeleitet ist, Wege und Lösungen und Ressourcen in Form von Bildern zu finden und zu erarbeiten. Diese Methode ist sehr nachhaltig – und lässt sich auch lange nach der Anwendung noch im Alltag spüren. Jeder Mensch ist generell für Hypnose geeignet, der Zustand ähnelt einem Tagtraum. Während einer guten Hypnose, hat der Klient/Patient die volle Fähigkeit über sich und sein tun und kann zu nichts gebracht werden, was er nicht zulassen möchte.

Im Rahmen von Trauerbegleitung nach dem BVT arbeite ich Ressourcen aktivierend im Trauerprozess, verschiedene kreative Methoden im Rahmen von Trauergruppen und Einzelsitzungen finden hier Raum. Aber auch Gespräche über was war, was ist, was bleibt und wird – sind Teile der Trauerbegleitung.

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Praxis Lichtung von Stephanie Gotthardt

Seit wann lebst Du diese Kombination?

Eigentlich von Anfang an, habe ich mich immer aufbauend auf mein Berufsleben vor dem Airlinerleben weitergebildet. Das es Hand und Fuß in Form einer Praxis genommen hat, hat sich erst in den letzten 2 Jahren entwickelt – wo ich mich in Elternzeit befinde. Hier sei auch nochmal gesagt, das man unbezahlten Urlaub sehr gut nutzen kann, man sollte aber vorher etwas gespart haben.  Ich habe sehr  von den Zeiten meiner Ausbildungen profitiert. Besonders berufsfreundlich ist hier das INeKO Institut  an der Universität zu Köln zu empfehlen.

Fliegst Du Teilzeit um praktizieren zu können?

Ich fliege Teilzeit, um mein Familienleben zu organisieren und um mir Sicherheit für mein zweites Standbein erst einmal beizubehalten.  Ich bin wie schon gesagt noch in Elternzeit, und überlege gerade, da die Praxis langsam Anklang findet – noch unbezahlten Urlaub hinten dran zu hängen.

Wie Sie sieht Dein Alltag als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Traumatherapeutin aus?

Ich habe mich mit der Praxis Lichtung auf Verlusterlebnisse spezialisiert. Trennungen, Scheidungen, Todesfälle, Trauma und Lebenskrisen füllen meinen Arbeitsalltag aus. Ich plane meinen Tag so, dass ich vormittags 1-2 Patienten/Klienten habe sowie abends und teilweise samstags. In den Wochen wo ich dann wieder fliegen würde, vergebe ich natürlich keine Termine wäre aber für Klienten/Patienten in dringenden Fällen auch telefonisch z.B. im Nightstop erreichbar.

Zu mir kommen Menschen die sich haben scheiden lassen, und damit alleine keinen Weg mehr ins normale Leben finden, insbesondere Kinder und Jugendliche erlebe ich vermehrt, die an einer Scheidung drohen zu zerbrechen, hier unterstütze ich mit verschiedenen Interventionen. Zu mir kommen  Trauernde, die einen nahestehenden Menschen verloren haben – wo der Ehemann plötzlich mit 40 Jahren am Herzstillstand starb, wo das Kind erstickt ist oder sich ein Bruder das Leben genommen hat. Menschen die Angehörige bei einem Unfall verloren haben, und Kollegen/Kolleginnen – die nach manch einem Flugzeugunglück, selbst Schwierigkeiten haben wieder ihrem Beruf im AC nachzugehen.

Aber auch Menschen, die in einer Lebenskrise sind – die auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens sind. Hier biete ich gerne eine besondere Art des Lebensrückblickes an  – die Biographie Arbeit. Die Biographie Arbeit baue ich wie ein Interview auf, ich schaue mit den Klienten wie ihr Leben bislang verlaufen ist, Situationen die schwierig und noch Unbehagen auslösen schauen wir uns gemeinsam an, und werden therapeutisch in ein anderes Licht gebracht und erlebt. Dies sorgt dafür dass man mit manchen Dingen Frieden schließen kann, ohne auf die Gunst anderer angewiesen zu sein. Die persönliche Biographie gestalte ich als Fotobuch, Briefpapier mit Stoffmappe und vielem mehr.

Generell ist zu sagen, dass ich in meinem Alltag Beratung, Coaching, Psychotherapie, Trauerbegleitung, Traumatherapie und Fortbildungen anbiete. Mein Angebot richtet sich an Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

Wo siehst Du Dich in 12 Monaten?

In 12 Monaten sehe ich mich weiterhin als Mutter und Ehefrau. Beruflich, hoffe ich sehr, dass sich die Praxis so gut weiterentwickelt wie es derzeit der Fall ist. Damit ich mich in 12 Monaten für unbezahlten Urlaub entscheiden kann. Dies würde mein Familienleben und meine berufliche Vision sehr bereichern.

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