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Als Flugbegleiter studieren! Wie man beides unter einen Hut bringt!

Viele Kollegen, die neu als Flugbegleiter anfangen, planen noch nebenbei zu studieren. Klappt so ein Vorhaben und kann man wirklich das Leben über den Wolken mit dem im Hörsaal kombinieren? In meinem Fall habe ich es geschafft ein Bachelor- und ein Masterstudium neben dem Fliegen erfolgreich abzuschliessen, allerdings musste eine solche Kombination perfekt geplant sein.

Hier nun meine persönlichen Tipps, wie du ein einen Studium als Flugbegleiterin meistern kannst.

Werde dir bewusst, wie viele Tage du tatsächlich zum Studieren zur Verfügung hast

Solltest du von deinem Arbeitgeber keinen Teilzeitvertrag angeboten bekommen, solltest du dich zum Beispiel nur über Fernuniversätiten informieren. Für ein Präsenzstudium (ob in Vollzeit oder Teilzeitform), solltest du nur Teilzeit fliegen, den es gibt mehr Aktivitäten (Gruppen-, Projektarbeiten, etc) ausserhalb der Uni, wie du am Anfang denkst.

In meinem Fall hatte ich während des Studiums einen 50% Vertrag. Während meines Bachelorsstudium (ganz normales Vollzeitstudium an einer FH) habe ich immer versucht, meinen Dienstplan so mitzugestalten, dass ich viel oder nur am Wochenende gearbeitet habe. Da ich meinen Master im Ausland gemacht habe, wählte ich hier eine Blockteilzeit, wo ich einige Monate am Stück frei hatte.

Verlasse dich nicht Zusagen, plane nur mit der Zeit, die du schriftlich bestätigt hast

Leider muss ich diesen Satz hier schreiben, weil es in keiner anderen Branche momentan so viel Veränderungen gibt. Es werden neue Airlines geschaffen und alte werden eingestampft. Während vor 5 Jahren Dienstpläne noch sehr stabil und Routen klar definiert waren, erlebt das Crewleben momentan einen grossen Umbruch. Wer früher nur Regionalstrecken flog, sieht sich heute schneller als einem lieb ist auf der Langstrecke und umgekehrt. Deshalb: verlasse dich nur schriftliche Arbeitsverträge etc.

Definiere deine Studienart: Vollzeit, Teilzeit oder Fernstudium

Nachdem du genau weisst, wie viele Tage im Jahr dir zum Studieren zur Verfügung stehen, solltest du dir überlegen, in welcher Form du studieren möchtest.

Obwohl sich ein Vollzeitstudium erstmal nach viel Zeitinvestition anhört, kann es vielleicht besser passen als man denkt, denn es gibt lange Semsterferien, die sich gut zum Fliegen anbieten.

Ein Teilzeitstudium hingegen, kann, obwohl es sich nach weniger Zeitinvestition anhört, für Flieger weniger passend sein. Teilzeitstudiengänge finden oftmals regelmässig (an zwei festen Tagen) unter der Woche oder am Wochenende statt. Wer jetzt an seinen Dienstplan denkt, wird schnell feststellen: die Wörter “regelmässig” und “feste Tage” passen nicht zum Fliegeralltag.

Ein Fernstudium mit freier Zeiteinteilung passt wohl am besten zu unserem Arbeitsalltag, fordert aber auch die meiste Selbstdiziplin. Wer kennt es nicht: eine fremde Stadt, ein Strand oder eine Abendessen ist viel verlockender als eine Hausarbeit auf dem Laptop im Hotelzimmer zu schreiben.

Informiere dich genau bei den Hochschulen nach Präsenzzeiten

Wann finden Vorlesungen statt und wann ist vorlesungsfreie Zeit. Jede Hochschule sollte dir einen Zeitplan mindestens für das erste Jahr vorlegen können. Lass dir auch Vorlesungspläne von höheren Semstern zeigen, damit du weisst, wie der Workload sich entwickeln wird.

Frage auch nach der Anwesentheitspflicht. Bei manchen Studiengängen gibt es keine Anwesenheitspflicht. Wenn es eine gibt, frage nach, wie viel Fehlzeiten erlaubt sind. In meinem Fall waren 20% Fehlzeit erlaubt. Diese nutzte ich an Tagen, wo ich nicht frei bekam.

Spreche mit den Studienberatern

Jede Hochschule bietet Beratungsgeschräche und Informationsveranstaltungen an. Gehe hin und informiere dich. Suche das Gespräch und sag ganz deutlich: “Ich habe pro Semester 70 Teilzeittage zur Verfügung. Kann man es mit dem Lehrplan vereinbaren?”.

Mache ein Probestudium

Frage bei deiner favorisierten Hochschule nach der Teilnahme von Probevorlesungen. Du solltest dir mindestens zwei Wochen am Stück die Vorlesungen und die Zeiten anschauen. Spreche auch mit Studenten und Frage nach, ob die Mitstudenten dein Projekt (Fliegen & Studieren) für möglich halten. Viele Universitäten bieten auch Gasthörer Plätze für ein ganzes Semester an.

Lass dir Zeit bei Studieren

Natürlich ist das Ziel jedes Studiums, es in der Regelstudienzeit abzuschliessen. Aber es geht auch anders, ohne als planloser Dauerstudent zu gelten. Viele Vollzeit-Hochschulen bieten inzwischen auch die regulären Studiengänge in doppelter Länge als Teilzeitstudium an. Das heisst, man belegt pro Semester nur die Hälfter aller Kurse. Ich habe es so zum Beispiel mit meinen Master geplant und statt der 1,5 Jahre die doppelte Zeit gebraucht. Trotzdem habe ich das Ziel nicht aus den Augen verloren und den Abschluss erhalten.

Verliere nicht die Motivation

Das gilt für alle Studierenden :) Da du aber schon im Arbeitsleben stehst und ein festes Gehalt bekommst, wirst du dich oftmals fragen: “was mache ich hier?” Gerade die ersten zwei Semester bestehen in allen Fächern aus viel Basistheorie. Hier heisst es einfach Augen zu durch. Wenn du in dieser Zeit feststellst, dass du dir das falsche Fach ausgesucht hast, solltest du mindestens noch ins dritte Semester reinschnuppern. Oftmals werden die Studiengänge das fundierter.

Mein Studium

Ich habe neben dem Fliegen ein Bachelor- (2007-2009) und ein Masterstudium (2010-2013) absolviert. Vor dem Bachelorstudium habe ich noch an einer Weiterbildung zur IHK Tourismusfachwirtin teilgenommen. Deshalb konnte ich das Bachelorstudium auf 2 Jahre verkürzen. Daher auch mein Tipp: wenn du schon Weiterbildungsabschlüsse in der Tasche hast, frage nach Anerkennung von einigen Kursen.

Das Bachelorstudium habe ich an einer kleiner privaten Hochschule in Mecklenburg Vorpommern absoliviert. Leider entsprach die Qualität dort nicht meinen Vorstellungen. Anscheinend war ich aber nicht die einzige, die die Qualitätsmängel festgestellt hatte, denn es gab Probleme bei der Akkreditierrung des Wissenschaftsrats und schlussendlich existiert die Hochschule heute nicht mehr so, wie damals. Deshalb möchte ich diese nicht namentlich erwähnen. Fakt ist: schaue die die Hochschule genau vorher an, bevor du monatlich 500€ bezahlst.

Für das Masterstudium bin ich nach Buenos Aires gegangen. Und das war die beste Zeit in einem Leben. Ich entschied mich für einen MBA an der Summerschool der UP Buenos Aires. Die Summerschool fand jedes Jahr (drei Jahre insgesamt) im Sommer (Ende Januar – Anfang April) statt. Man studiert 3 Monate pro Jahr extrem intensiv (von 8 Uhr – 21:30 Uhr, natürlich mit einer langen Mittagspause), reist die restlichen 9 Monate in sein Land zurück und trifft sich im nächsten Jahr wieder. Eine wirklich tolle Erfahrung, bei der man Freunde überall in der Welt findet. Man kann auch die Winterschool (Ende Juni – Anfang September) besuchen und das ganze Studium in 1,5 Jahren absolvieren. Die Winterschool kam für mich nicht in Frage, da es unmöglich war im deutschen Sommer 3 Monate frei zu bekommen. Eine extreme Herausforderung war das Studium und die Abschlussarbeit in Spanisch. Aber auch hier musste ich feststellen: wenn du keine andere Option hast, als eine Sprache zu sprechen, lernst du diese schneller als du denkst. Die Studiengebühr betrüg damals 10.000 USD (plus Flüge, Unterkunft und Material). Da Argentinien unter einer extrem hohen Inflation leidet, denke ich, dass sich die Studiengebühren verdoppelt haben.

2 Gedanken zu „Als Flugbegleiter studieren! Wie man beides unter einen Hut bringt!

    • Meike sagt:
      Meike

      Hallo Gabriela,

      ich fliege immer noch :) Leider möchte die Airline, dass beide “Jobs” ganz strikt von einander getrennt werden. Deshalb darf ich diese hier nicht nennen. Eine grosse deutsche Airline ist es.

      LG Meike

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