Michael & Frank – Gründer von Eventflug

Vor gut 6 Jahren haben Michael und Frank zusammen die Schulbank in einem Flugbegleiter-Grundkurs gedrückt und sich dort auch kennengelernt. Obwohl beide den Kurs bestanden haben und seitdem auch als Flugbegleiter arbeiten, trifft man Michael und Frank selten zusammen an Bord. Der Grund ist ihre gemeinsame Firma Eventflug, die sie zusammen gründeten. Wenn der eine fliegt, ist der andere im Büro. Wie sie zusammen ein Startup manangen, verraten mir die Zwei im Interview.

Michael, Frank: stellt ihr euch doch kurz vor bitte!

Michael Wiechert, bin 35 Jahre alt, und lebe zusammen mit meiner Freundin in Waldshut-Tiengen. Im Jahr 2000 absolvierte ich eine Verkehrspilotenausbildung bei der SWISS (ehemals Swissair), konnte jedoch aufgrund der damaligen wirtschaftlichen Situation keine Anstellung im Cockpit finden.  Diverse andere Airlines weltweit mussten ebenfalls Insolvenz anmelden, was zu einer enormen Überkapazität bei Piloten führte. So entschloss ich mich zu einer weiteren Ausbildung zum Kaufmann im Nutzfahrzeugbereich. 2010 hat mich jedoch erneut der Reiz zur Aviatik ergriffen, und ich begann die Ausbildung zum Flugbegleiter bei Belair.

Frank Benz, bin 42 Jahre jung, und lebe in Hartheim. Bereits 1991 begann ich mit einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Daran folgte ein Studium der Wirtschaftsinformatik. Im IT-Bereich war ich mehr als 13 Jahre tätig, bevor ich mich entschloss, im März 2010 mein Hobby zum Beruf zu machen – und eine Ausbildung zum Flugbegleiter zu absolvieren.

Arbeitet ihr beide als Flugbegleiter? Wie lange schon und wie kam es dazu?

Michael und ich sind beide bei Belair Airlines als Flugbegleiter tätig. Wie breits beschrieben, ereilte uns beide der Reiz von Airport, Flugzeug und Kerosin. Schon als kleine Jungs standen wir fasziniert am Flughafenzaun in Basel, und schauten den startenden und landenden Maschinen hinterher, bevor wir uns im April 2010 in Berlin beim Grundkurs kennenlernten. Mittlerweile sind wir beide schon 6,5 Jahre für Belair unterwegs – und konnten so schon mehrere (hundert-?)tausend ferienhungrige Urlauber an diverse Domizile im Mittelmeerraum fliegen – und zurück.

Ihr fliegt aber nicht nur, sondern seid auch Gründer der eventflug basel luftfahrt GmbH. Was ist die eventflug basel luftfahrt GmbH?

Die Eventflug Basel Luftfahrt GmbH ist ein Konstrukt, welches auf zwei Säulen beruht:

Zuallererst stehen da unsere Event-, Messe-, und Sonderflüge. (Firmen-)-Kunden können bei uns Fluggeräte von 1-400 Sitzplätze zu jedem Zweck anmieten. Aufgrund unserer Tätigkeit können wir im Aviation Bereich auf eine Vielzahl an Kontakten zurückgreifen und so individuell auf jede Anfrage das passende Angebot erstellen. Sehr beliebt sind auch unsere Incentives, welche wir für Firmen und Reisegruppen ausarbeiten. Egal ob Xmas Shopping Event oder Kochkurs mit Jamie Oliver in London, Fancharter für einen Fußballklub oder Sonderflug zur CeBIT in Hannover – wir kümmern uns um die komplette Organisation. Da wir kein eigenes Fluggerät besitzen, mieten dieses je nach Bedarf bei unserem Arbeitgeber oder anderen Airlines an. Gleichfalls buchen wir auch Gruppenkontingente auf bestehenden Linienflügen, um in unserem Nischenmarkt wettbewerbsfähig zu sein.

Unser 2. Standbein ist der Handel mit Airline Inflight- & Catering Equipment. Wir kaufen die Waren direkt bei Airlines (aus Überbeständen) oder das komplette Equipment vom Insolvenzverwalter, wenn eine Airline den Flugbetrieb einstellen musste. Gleichfalls bestellen wir Neuware direkt vom Hersteller, und bieten die Waren an private Kunden, sowie gewerblich an. Selbst Airline Startups wurden von uns bereits mit Equipment wie Trolleys, Spucktüten, Geschirr ausgestattet.

Seit wann lebt ihr diese Kombi (GmbH& Fliegen) so?

Bereits im Oktober 2010 haben wir den 1. Alpenrundflug mit einem Airbus A319 von Belair geplant. Damals waren wir nicht einmal als Firma angemeldet, sondern haben das Flugzeug „privat“ angemietet. Dankenswerter Weise war unser damaliger CEO Thomas Frischknecht sehr angetan von unseren Ideen, und half uns nach Kräften bei der Organisation. Im Frühjahr 2011 gingen wir mit dem Namen „Eventflug Basel GbR“ an den Start. Aufgrund von Haftungsfragen und der relativ hohen Sicherheiten, welche wir bei Flugtätigkeiten vorab bereitstellen müssen, haben wir uns im Januar 2014 entschlossen, die „Eventflug Basel Luftfahrt GmbH“ zu gründen.

Was waren die größten Herausforderungen bei dem Start in eurer Selbständigkeit?

Die größten Herausforderungen sind nach wie vor einen Platz in der Nische zu finden. Wir haben bereits fast 600 Follower auf Facebook, jedoch sind wir in diesem Segment immer noch schwer für unsere Kunden zu finden.  Es ist auch schwer für ein „Newcomer“, bei Reisebüros, Zeitungen und Radiosendern ein offenes Ohr zu finden, ohne vorab tausende von Euro für Werbung beigebracht zu haben.

Fliegt ihr Teilzeit für das Business?

Wir sind beide Teilzeit in der Kabine für unseren Arbeitgeber unterwegs. Somit ist immer einer von uns beiden in der eigenen Firma, der andere fliegt.

Eventflug2

Wie sieht euer Alltag im Unternehmen genau aus? Unterscheidet sich dieser sehr vom Flugbegleiter Alltag?

Unser Flugplan lässt uns 1-2 Mal die Woche gemeinsam im Büro arbeiten. Wir treffen uns zuerst zu einem „Meeting“ in der Kaffeeküche, um uns beide auf den aktuellen Stand zu bringen, und die anstehenden Termine abzusprechen. Danach wird unser Outlook abgearbeitet, und Rechnungen geschrieben, bevor wir ins ca. 5 km entfernte Lager fahren. Dort sprechen wir mit unserem Lagermitarbeiter über Auslieferungen, sowie Retouren. Gleichzeitig verschaffen wir uns einen Überblick um Verkaufsstrategien zu besprechen, und Bestellungen tätig zu können.

Der Job in der eigenen Firma unterscheidet sich fast gänzlich vom Flugbegleiter Dasein.  In der eigenen Firma muss man ohne „Operations Manual“ auskommen und täglich neue Entscheidungen treffen. Im Flugbetrieb findet man zu jeder Frage im Manual die passende Antwort. Es macht auch einen großen Unterschied, wie „risikoreich“ man mit den eigenen Geldmitteln wirtschaftet. Im Flugbetrieb ist man in erster Linie für den reibungslosen Ablauf eines Fluges zuständig und kann nur nach Vorgaben wirtschaften.

Die duale Tätigkeit hilft uns in beiden Richtungen. Im Flugbetrieb haben wir die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen, welche uns bei unserer eigenen Firma weiterhelfen. Gleichfalls hilft uns das Wissen aus der eigenen Firma um das komplette Flugzeughandling, die Prozesse im „regulären“ Flugbetrieb einfacher zu verstehen.

Wie geht es bei euch weiter und wo seht ihr euch in 12 Monaten?

Der Handel mit Airline Equipment hat in den letzten 1-2 Jahren einen großen Umsatzschub in unser Firma ausgelöst. Neben den Onlineplätzen wie ebay, amazon, ricardo, etc. – haben wir auch zunehmend Anfragen von Airlines weltweit.  Da unsere Lagerkapazitäten in einem angemieteten Lager seit längerem total erschöpft sind, planen wir den Bau eines eigenen Büro- und Lagerkomplexes auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Bremgarten. Auch beabsichtigen wir aktiv unser Vertriebsnetz für Eventflüge zu erweitern. Derzeit arbeiten wir beide (Teilzeit) mit drei Aushilfskräften zusammen, haben jedoch vor, unsere Flugtätigkeit zugunsten unserer Firma weiter zu reduzieren..

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